15. September 2006
Die DDR-Sportführung brauchte in den 1950er Jahren aufgrund der Flucht der leistungsstärksten Ost-Berliner Fußball-Mannschaften eine attraktive Hauptstadt-Mannschaft: So entstand neben dem SC Dynamo in Ostberlin im Jahre 1953 das Fußball-Team des ASK Vorwärts. Träger dieser nichtzivilen Sporteinheit war die Armeesportvereinigung „Vorwärts“, die von der NVA und deren Ministerium gefördert wurde. Insbesondere wurden Spieler aus Leipzig nach Ost-Berlin „umgetopft“. Dieser noch gänzlich traditionslose Fußballclub mit Sportlern überwiegend Nichtberliner Herkunft sollte Ost-Berlin zu einem republikweiten Fußball-Aushängeschild und Gegenpol zu den West-Berliner Traditionsvereinen machen. Der Erfolg der Verlegungsaktion zahlte sich jedoch erst gegen Ende der 1950er Jahre aus, als der ASK Vorwärts Berlin erste DDR-Meistertitel erspielte. Das Prinzip, per politischer Delegierung aus der Retorte Leistungssportstrukturen zu schaffen, fand bald darauf nicht nur im Fußball, sondern als Schablone beim Aufbau des gesamten Ost-Berliner Leistungssports Anwendung. Von 1953 bis 1971 erspielte sich die Armeemannschaft des ASK Vorwärts Berlin sechs DDR-Meistertitel in der DDR-Oberliga und stellte mehrere erfolgreiche Nationalspieler. Danach verebbte die Erfolgsgeschichte des Vereins. Der nunmehr als FC Vorwärts umbenannte Club wurde per Ministerbefehl ins fußballerische Niemandsland nach Frankfurt/O. versetzt und konnte nur noch eine Außenseiterrolle im DDR-Leistungsfußball einnehmen.
Das Zentrum deutsche Sportgeschichte wollte sich diesem vergessenen Kapitel der DDR-Fußballgeschichte widmen und am Beispiel dieses Vereins das Charakteristikum der politischen „Verpflanzung“ mit prominenten Zeitzeugen und Wissenschaftlern diskutieren.
Programm
Einführung
Dr. Hanns Leske
Podium
Günther „Wibbel“ Wirth, DDR-Nationalspieler, mehrfacher DDR-Meister mit dem ASK
Jürgen Nöldner, DDR-Nationalspieler, mehrfacher DDR-Meister mit dem ASK und Olympiamedaillengewinner 1964
Moderation:
René Wiese, Zentrum deutsche Sportgeschichte/Universität Potsdam
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